Tagblatt berichtet über die Elektro-Competence by Auto Hermann

Eine Toggenburger Garage ist eine Pionierin auf dem Schweizer Fahrzeugmarkt

(Bild und Text: Urs M. Hemm, veröffentlicht auf https://www.tagblatt.ch, 19.07.2020)


Die ah Auto AG von Nico Hermann in Ebnat-Kappel setzt hauptsächlich auf Elektrofahrzeuge. Als erste Garage in der Schweiz.

Für Nico Hermanns Firma, die ah Auto AG in Ebnat-Kappel, war es ein wegweisender Entscheid, sich künftig überwiegend auf den Verkauf von Elektrofahrzeugen zu konzentrieren.

«Ein gewisses Risiko ist sicher dabei, denn wir sind mehr oder weniger vom Verkauf abhängig, da bei E-Fahrzeugen die Serviceleistungen fast komplett wegfallen. Zudem ist die Umstellung mit einigen Kosten verbunden».

Das sagt der Gründer des ersten Elektro Competence Centers der Schweiz. Investitionen entfielen in erster Linie auf die fachliche Ausbildung des Personals, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit den Hochvoltbatterien. Auch die Umrüstung der Lackiererei sei zurzeit in Planung, weil das Einbrennen des Lacks bei E-Fahrzeugen nicht möglich sei. Der Entscheid, sich neu zu orientieren, scheint sich aber bisher auszuzahlen.

«Zurzeit sind von zehn verkauften Autos acht E-Fahrzeuge.»

Und das Potenzial – ist Nico Hermann sich sicher – ist noch längst nicht ausgeschöpft.

Leistung und Komfort gleichen sich an

«Im Bereich Verbrennungsmotoren sind keine grossen Fortschritte mehr zu erwarten. Bei den E-Fahrzeugen hingegen wird derzeit, was auch von der Politik im Rahmen der CO2-Diskussion angetrieben und gefördert wird, viel geforscht und entwickelt, was diese Technologie in grossen Schritten voran bringt», sagt Nico Hermann. Weil sich E-Fahrzeuge so stetig an Leistung und Komfort von herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor angleichen würden und die Menschen immer mehr in Bezug auf die Reduktion des CO2-Ausstosses sensibilisiert seien, sei die Nachfrage nach E-Fahrzeugen in letzter Zeit stark angestiegen.

«Das hat uns dazu bewogen neue Wege zu gehen und als erste in der Schweiz, ein Elektro Competence Center zu eröffnen, damit wir in diesem Bereich allen – auch für einmal im Toggenburg– einen Schritt voraus sind».

Der grosse Unterschied zu anderen Händlern von E-Fahrzeugen sei, dass die ah Auto AG vollkommen markenunabhängig ist. «Gerade in dieser schwierigen Zeit ist das ein Vorteil, da wir so von Lieferengpässen einzelner Marken kaum betroffen sind, da wir ständig etwa 80 Elektro-Fahrzeuge aller Marken hier an Lager haben.» Den Kunden bringe es den Vorteil, dass sie die ganze Angebotspalette an einem Ort haben und so die verschiedenen Modelle vergleichen könnten.

Hier kommen die Kernkompetenzen des Centers ins Spiel.

«Viele Kunden kennen sich mit dem Thema Elektromobilität oft nicht so gut aus, sodass wir ihnen alles in Ruhe erklären können. Und dank der grossen Auswahl können die Kunden die verschiedenen Modelle gleich probefahren».

Oft würden solche Verkaufsgespräche zwei bis drei Stunden dauern, erläutert Nico Hermann. «Denn im Vergleich zu den Autos mit Verbrennungsmotor sind die Unterschiede zwischen den Anbietern von E-Fahrzeugen zum Teil noch ziemlich gross, weshalb die Entscheidungsfindung länger dauern kann, bis jemand das für sich ideale Fahrzeug gefunden hat», sagt Nico Hermann.

Kundschaft aus der ganzen Schweiz

Alleine mit Kunden aus dem Toggenburg könne er freilich nicht leben, die Elektromobilität sei hier noch nicht so stark verbreitet.

«Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Energie und unsere Zugehörigkeit bei verschiedenen Branchenverbänden ist das Elektro Competence Center automatisch auf deren Websites vertreten. Befasst sich also jemand mit dem Thema E-Fahrzeug, wird er fast zwangsläufig auf unseren Internetauftritt aufmerksam».

Dadurch hätten sie auch viele Kunden aus den Städten oder den Agglomerationen von St.Gallen über Zürich, Bern, Basel bis nach Lausanne oder Genf, wo der Kauf von E-Fahrzeugen häufig von den Kantonen durch Subventionen unterstützt werde, so auch vom Kanton St.Gallen, wo aber zurzeit noch nur Käufer aus der Stadt St.Gallen selbst unterstützt würden, erläutert Nico Hermann.

Nicht nur für den Stadtverkehr sinnvoll

Wobei im Zuge der heutigen Entwicklungen ein E-Fahrzeug keineswegs nur mehr in städtischen Gebieten Sinn mache.

«Die Reichweite mit einer Batterieladung geht schon heute bis zu 400 Kilometer, so dass man sich nicht mehr auf seiner Route nach den Ladestationen richten muss.»

Auch sei bei Batterien der neuesten Generation die benötigte Ladezeit merklich verkürzt worden, so dass je nach Typ und Ladestation eine Batterie nach einer Stunde voll aufgeladen sei.

«Im Gegensatz zu den Mobiltelefonen sind die Stecker aller Marken in Europa für alle Ladestationen kompatibel, so dass auch Reisen ins Ausland keine Probleme mehr darstellen.»

Grosse Fortschritte seien zudem im Bereich Allrad gemacht worden, wobei E-Fahrzeuge wegen ihres ohnehin tiefen Schwerpunkts im Gelände und im Schnee gut vorankommen würden.

Leistung der Batterien wird ständig verbessert

Der Problematik der E-Fahrzeuge bezüglich der Umweltverträglichkeit der Batterien, insbesondere des Abbaus der dafür benötigten Rohstoffe Kobalt und Lithium, ist sich Nico Hermann bewusst.

«Ich kann diese Bedenken verstehen. Dennoch sind die Umweltschäden bei weitem nicht so gross wie jene, die durch die Gewinnung, den Transport und den Verbrauch von Rohöl bisher entstanden sind».

Zudem sei die Forschung so weit fortgeschritten, dass die benötigten Mengen an Kobalt und Lithium sich ständig verringern würden, sich gleichzeitig aber die Lebensdauer einer Batterie verlängere.

«Während die Hersteller eine Lebensdauer von acht Jahren garantieren, sind wir überzeugt, dass eine Batterie in einem E-Fahrzeug während 12 bis 14 Jahren annähernd die volle Leistung erbringen kann.»

Danach könne diese beispielsweise als Zwischenspeicher für von Solaranlagen erzeugten Strom weiter genutzt werden, sodass sich die Lebensdauer noch einmal um 15 Jahre verlängern liesse.

Zuversichtlich für die Entsorgung der Batterien

Was danach die Entsorgung der Batterie angehe, stehe man tatsächlich noch am Anfang. «Ich bin aber überzeugt, dass Verwendungen gefunden werden, damit die genutzten Rohstoffe sinnvoll rezykliert werden können, womit der Beitrag an die Umwelt von E-Fahrzeugen noch grösser würde», sagt Nico Hermann.

Text: Urs M. Hemm